Liedzeit

The Royal Hackman

2025-02-25

Vor ein paar Wochen lief im Fernsehen (oder doch Stream?) The Conversation, ein Film mit Gene Hackman, den ich nicht kannte. Francis Ford Coppola. Hackman spielt einen Abhörspezialisten. Im aktuellen Job muss er ein Paar bespitzeln, das sich am Union Square trifft und das, vielleicht, vielleicht auch nicht, einen Mord plant. Und was geht ihn das an, er macht ja nur seinen Job. So wie auch der sehr junge Harrison Ford. Ein schöner kleiner Film, wo wir erleben wie Gene mit seinem Saxophon in seinem Apartment sitzt und verrückt wird.

Und wie fast immer, wenn ich einen Gene Hackman Film sehe, dachte ich, dass der Mann sich egoistisch aus der Filmbranche zurückgezogen hat, quasi in der Blüte seiner Jahre. Zwar schon alt, aber nicht Clint-alt und alt war er irgendwie doch schon immer. In French Connection, der ihn zum Star machte, (mit Oscar) war er 41. (Und French Connection is dear to my heart, denn das musste ich raten lassen, als ich in England war, und das erste Mal Charade spielte.) Davor war er schon in Bonnie und Clyde, aber obwohl ich mir einbilde, mich vage an ihn erinnern zu können, kann er einen so großen Eindruck nicht gemacht haben, trotz Oscar-Nominierung. Und er hat sogar in je einer Folge Invasion von der Vega und Tennisschläger und Kanonen gespielt.

French Connection war nun eigentlich vor meiner Zeit, also muss Superman der erste Film gewesen sein, in dem ich ihn bewusst als Star gesehen habe. Der FAZ-Nachruf schweigt gnädig über die Superman-Filme, die Gene gemacht hat. Das kann ich nicht, denn, wie die Fußballreporter so gerne sagen, zur Wahrheit gehört auch, dass der erste Superman nicht wegen, sondern trotz Hackman großartig war. Denn, wie vom Drehbuch verlangt, diabolisch und komisch gleichzeitig zu sein, konnte er nicht. (Superman IV hat bei IMDb eine 3.7-Wertung, das ist dann schon wieder auch eine Leistung.)

Viel besser war er diabolisch subtil in Die Firma, wo er als väterlicher Freund den armen Tom Cruise auf den Pfad des Bösen zu führen versucht. Am allerbesten aber war er in Alan Parkers Mississipi Burning. Für Unforgiven erhielt er zwar seinen zweiten Oscar, aber diesen Film halte ich für maßlos überschätzt. Was gab es noch? Target (ein Film, in dem ich beinahe - wenn man das sehr großzügig sieht – eine Statistenrolle gehabt hätte). In Extreme Measures an der Seite von Hugh Grant ist er der böse Doktor – war damals ein Flop, aber einer meiner Lieblingsfilme. Staatsfeind Nr. 1 kann man nicht oft genug sehen. Get Shorty reicht alle zehn Jahre.

Wie schon öfters gesagt, gibt es in der Filmbranche keinen gößeren Skandal als den, dass irgendwann das Verfilmen von Grisham eingestellt wurde. Die sind alle gut, und die, in denen Gene Hackman dabei war, ganz besonders.


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