Liedzeit

Oscars 2025

2025-03-03

Oscar-Nacht. Donald Trump durfte früh ins Bett, denn anders als letztes Jahr hatte er von Host Conan O’Brien nichts zu befürchten. Möglicherweise war Adam Sandler in nicht ganz standesgemäßer Kleidung eine Anspielung auf den Selenskyj-Eklat, aber wenn, dann ging das eher gegen den tapferen Präsidenten als gegen den Amerikagroßmacher, es sei denn mir ist da eine Subtilität entgangen. O’Brien hat das im Prinzip nicht schlecht gemacht, nur leider ohne großen Witz. Es sei denn, man mag die Gesangsnummer am Ende eines langen, mauen Monologs I Won’t Waste Time als solchen sehen. Ein paar Scherze durften, nicht eben professionell, die Leute von der L.A.-Feuerbrigade vortragen, die man auf die Bühne geholt hatte. Denen, wusste Conan, musste man das nachsehen.

Größte Änderung gegenüber den Vorjahren, der Verzicht darauf, die nominierten original Songs vortragen zu lassen. Das ist ein ganz und gar großartiger Zug, denn die sind seit Jahren so grottenschlecht, dass man bei jedem Stück versucht ist, abzuschalten. Gewonnen hat dieses Jahr irgend eines der uninspirierten Lieder aus Emilia Perez. Immerhin übergeben von Mick Jagger, einer der Höhepunkte der Show. Eigentlich hätte man Bob gewollt, aber der habe gemeint, es solle ein jüngerer Mann machen. Bob, hatte zuvor Conan O’Brien gesagt, wäre gern gekommen, “but not very badly”. Leider ging es ohne Lieder dann doch nicht. Die beiden Damen aus Wicked durften gleich zu Anfang etwas zum Besten geben, und ich konnte nicht anders als dankbar darüber zu sein, dass sich die nominierten Filme anzusehen, keine Pflicht ist. Gewonnen hat dann Anora, und Sean Baker, der dafür verantwortlich war, durfte insgesamt vier Oscars entgegennehmen. Und so schön es ist, dass Independent-Filme gedreht werden, freiwillig ansehen würde ich mir auch den nicht (was ein Fehler sein mag.) Genausowenig wie Substance. Dass ich Emilia Pérez eine Chance gegeben hatte, war schon ungewöhnlich für mich, aber belohnt wurde meine Offenheit nicht. Wofür Zoe Saldaña ausgezeichnet wurde, kann ich nicht sagen. Immerhin war ihre acceptance speech ganz okay. Bei den Männern hat Adrien Brody den kleinen Mann mit nach Hause nehmen dürfen, und dessen Leistung war nun tatsächlich gut (auch wenn ich lieber Ralph Fiennes, der die ganze Zeit grummelig im Publikum saß, ausgezeichnet gesehen hätte.) Der größte Skandal war in diesem Fall, wie ja schon erwähnt, dass Matthew Macfadyen nicht einmal nominiert worden war. Aber von den Nominierten kann eigentlich keiner besser gewesen sein als Edward Norton. Pete Seeger war schon groß, aber Eward Norton als Pete Seeger noch größer. Wobei ich A Real Pain nicht gesehen habe, vielleicht tue ich Kieran Culkin unrecht. (Gerade eben noch in einer 12Uhr-mittags-Vorstellung gesehen habe ich den Complete Unknown, und der hätte, meine ich, den Oscar als bester Film verdient. Der gute Timothée Chalamet sah als Bob Dylan viel besser aus, als im wirklichen Leben, obwohl sich zu trauen, so einen gelben Anzug zu tragen, fast so bewundernswert ist wie sein Gesang und Gitarrenspiel – vom Mienenspiel war ich nicht ganz so begeistert.)

Was gab es sonst noch? Ein ganz und gar peinliches Bond-Tribute mit drei Bond-Liedern, wobei eine Auszeichnung die Interpretation von Live and let die verdient gehabt hätte, denn wie dieses Stück von jeglichem Drive und Swing befreit, lustlos heruntergenudelt wurde, zeugt dann schon wieder von künstlerischer Vision. Morgan Freeman fand ein paar ergreifende Worte zu Gene Hackman. Aber hätte man, um den zu Ehren nicht vielleicht einfach mal ein paar Ausschnitte aus seinen Filmen zeigen können? (Hat man, etwa sieben Sekunden lang.)

Jeff Goldblum saß im Publikum, wie schade, dass der keinen Oscar vergeben durfte. Und wie jedes Jahr möchte ich nicht versäumen, mich darüber zu beklagen, dass in der Show kein Oscar für ein Lebenswerk mehr vergeben wird.


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