Liedzeit

A Real Pain

2025-03-25

Wenn einer eine Reise tut, so kann er was erzählen. Nämlich über die Filme, die er auf den Langstreckenflügen gesehen hat.

Man ist ja neugierig, wie die Oscar-Filme so waren. Und besonders interessiert hat mich A Real Pain. Kann es sein, dass Kieran Culkin wirklich den Nebenrollenoscar verdient hat (an Stelle von Edward Norton – und eigentlich Matthew Macfadyen)?

Zwei amerikanische Cousins Jesse Eisenberg und Kieran Culkin wollen das Haus ihrer gerade verstorbenen Großmutter in Polen besichtigen. Sie war eine Holocaust-Überlebene. Vorher nehmen sie an einer Jewish Heritage Tour teil. Sie besuchen Majdanek mit ihrer Kleingruppe (offenbar für die Gelegenheit für alle anderen Besucher gesperrt). Kieran gefällt die Rolle des First Class Betroffenheitstouristen nicht so richtig. Und er beschwert sich bei dem rührenden Tourist Guide. Aber eigentlich geht es um einen unterschwelligen und dann nicht so unterschwelligen Konflikt zwischen den beiden Cousins, der eine ist zurückgezogen und pragmatisch, der andere, Kieran, extrovertiert, aber von der nervensägenden Art, a real pain, aber dabei leider doch irgendwie von so gewinnender Art, das man ihm nicht böse sein kann. Jesse dagegen ist so langweilig, dass man ihm nicht begegnen möchte.

Ein kleiner Film, gut gemacht. Und wenn das als Abschlussfilm eines Filmstudiums vorgelegt würde, müsste man dem Regisseur wahrscheinlich eine bescheidene Karriere prognostizieren.

Ärgerlich ist der Film einzig aus dem Grund, dass Kieran Culkin dafür den Oscar erhalten hat. Nicht, dass er schlecht war, er was sogar ziemlich gut. Aber Oscar für die besten Nebenrolle? Der Mann spielt nicht nur die Titelrolle, er ist A Real Pain, er ist praktisch in jeder Szene zu sehen, und ich vermute, er hat sogar den größten Textanteil. Genausogut hätte man Charlon Heston einen Nebenrollenoscar für Ben Hur verleihen können. Der andere Grund, warum Kieran so gut wirkt, ist allerdings der, dass Jesse Eisenberg besonders schwach spielt. Neben Jesse Eisenberg hätte auch David Hasselhoff gut ausgesehen.

6/10 Emirates

Und dann habe ich jeweils eine halbe Stunde oder so den Filmen Substance, Nickel Boys und Wild Robot eine Chance gegeben. Alle drei grausam. Wobei ich das Urteil über Nickel Boys nicht absolut setzen möchte. Der hätte sich vielleicht noch entwickelt, aber wenn man nach einer halben Stunde keine Ahnung hat, wo das hinführen soll, und auch kein Interesse entwickelt, wo das hinführen könnte, dann darf man einen Film auch mal abbrechen.

Unerwartet gut dagegen fand ich The Return von Uberto Pasolini, den ich mir hauptsächlich wegen Ralph Fiennes (wir Ralfs müssen zusammenhalten) angesehen habe. Er ist Odysseus, der zu seiner Penelope (Juliette Binoche) zurückkehrt. Also eine Geschichte, der man ohne große Mühe auch völlig übermüdet noch locker folgen kann. Und die Großaufnahmen seines Gesichts sind großartig. Man meint darin, die ganzen zwanzig Jahre seiner Reisen zu sehen. Besonders interessiert hat mich, wie Herr Pasolini den Schluss inszenieren würde. Sehr, sehr schnörkellos. Es wird, wie sich das gehört, ein Freier nach dem anderen abgemurkst, bis nur noch Eumaes übrig bleibt, der sehr cool von Claudio Santamaria gespielt wird. Penelope bittet ihn zu schonen. Aber Telemachus zögert nur eine Sekunde und killt auch ihn. Sehr gut.

Ungefähr jeder dritte oder vierte der Schauspieler wird von einem Schwarzen dargestellt. Verstehe, Ralph Fiennes ist ja auch kein echter Grieche, und schon gar kein mythischer. Das Leben ist divers. Aber warum gibt es dann nicht auch Asiaten, oder Klingonen? Ich verstehe es nicht.

Bevor ich mein Raiting bei IMdB eingebe, versuche ich zu raten, wie wohl die bisherige Wertung war. 6.2 habe ich geschätzt, und so ist es.

7/10 Emirates


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