Liedzeit

Ljadow, Gershwin, Sibelius

2025-03-26

So eine Fernreise will ja heute geistig-moralisch gerechtfertigt werden. Zum Glück ist das bei der gerade abgeschlossenen kein Problem.

Denn wann immer künftig die Rede auf die Elphi kommt (also alle vier Wochen), kann ich sagen: Die ist ja ganz nett, aber natürlich nicht vergleichbar mit der Esplanade in Singapur. Ich sage nur, die Akustik, die Akustik!

Zuerst sah es aus als könnten wir nur zwei getrennte Plätze ganz hinten erhalten, aber plötzlich waren da zwei Plätze in der zweiten Reihe frei, und da ich kühn die Senioren-Checkbox anklickte (denn wer, wenn nicht wir wären Senioren), bekamen wir die Karten für 20$.

Gut, es war nur ein Jugendorchester, aber ich fand es toll. Meine Frau, die natürlich ungleich mehr (nämlich überhaupt was) von klassischer Musik versteht, fand die technisch gut, aber ohne den gebotenen Enthusiasmus. Am besten war ohnehin der Dirigent, Hans Graf. Der sah nicht nur aus wie ein Dirigent, er bewegte sich wie ein Dirigent, und er dirigierte mit Taktstock. (Ich halte ja Dirigenten ohne Taktstock für Scharlatane.)

Los ging es mit Anatoli Konstantinowitsch Ljadow. Dieser Komponist war mir unbekannt. Die Musik, würde ich sagen, ist so eine Mischung aus John Williams und Ligeti. Baba-Yaga und Enchanted Lake. Dann kam Gershwin mit einer Orchesterfassung von Porgy und Bess, klang aber wie Greatest Hits. Man hat als Laie ja immer sofort ein schlechtes Gewissen, wenn man im klassischen Konzert Melodien erkennt und sofort mitsummen möchte. Deshalb traf es sich gut, dass das ganze mit Sibelius (2. Symphonie) abgeschlossen wurde. Wie meine Mutter sagen würde: schwere Musik. Gut, sehr gut sogar, aber schwer.

Esplanade, Singapur, 8.3.2025


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